Wer kennt sie nicht - unhöfliche Menschen, denen einzig und allein alle Privilegien der Welt zustehen, während alle anderen nur unwürdige Maden sind, die es wagen, sich in den Dunstkreis der einzig Auserwählten zu begeben und dabei ihren wertvollen Sauerstoff wegzuatmen. Diese Leute, die sonntagmorgens noch in der Kirche sitzen und nickend der Predigt über Vergebung und Nächstenliebe lauschen, um dann mittags im Restaurant die Kellnerin rundzumachen und nach dem Geschäftsführer plärren, nur weil es 3 Sekunden zu lange dauerte, bis sie ihren entkoffeinierten Soya Chai Latte serviert bekam.

Diesen Personen hat das Internet den Spitznamen Karen gegeben.

Bist du so eine Karen? Dann gebe ich dir nun zwei Möglichkeiten:

1. Du verlässt diese Seite umgehend, denn das hier ist alles aber kein Safe-Space für unlustige und -freundliche Menschen.

2. Du klickst auf "Weiterlesen" und liest schonungslos, was wir Kundenserviceler und Normalsterblichen so über dich denken, wenn du dich mal wieder ne Diva bist.

Hallo liebe Karen,

wir kennen uns jetzt schon so viele Jahre! Die ganze Zeit habe ich die Klappe gehalten aber jetzt ist Schluss. Ich arbeite schon mein gesamtes Leben im Dienstleistungsbereich. Der ehemalige Wrestler und jetzige Lebenscoach Diamond Dallas Page sagte, dass es eine Superkraft ist, ruhig zu bleiben, wenn man unhöflich behandelt wird. Und er hat verdammt nochmal Recht. Da das hier aber mein Hobbyraum ist in dem ich meinen Freunden über mein Leben berichte, wirst du, liebe Karen, nicht mehr durch meine Handlungsanweisungen geschützt. Hier erfährst du brühwarm, was jede Person im Kundenservice jeglicher Art wirklich über Menschen wie dich denkt. Schonungslos und ehrlich. Wenn du wirklich lösungsorientiert bist, dann lies weiter. Wenn du eine echte Karen bist und nur mit dem Manager sprechen willst, ruf deine Mutter an und sag ihr, dass sie eine bindungsgestörte und moralisch verwahrloste Egomanin ohne Manieren großgezogen hat.

Kommen wir zu deinen Standardphrasen:

Aussage #1: "Ich red jetzt!"

Ja, das tust du. Aber entweder hältst du jetzt deine arrogante Fresse, weil ich schon seit einer Viertelstunde weiß, wie wir dein Problem lösen, oder wir hängen weitere 15 Minuten hinten dran, die übrigens auch DEINE Zeit sind. Mir kann das egal sein, denn für meine Zeit werde ich ja bezahlt. Dir ist es wohl auch egal, denn du willst ja nicht mal Luft holen. Liebe Karen - wenn du deine angeblich so hoch angesiedelte Intelligenz mal benutzen würdest, würdest du auch wissen, dass ich nur der Überbringer der Nachricht bin, die dich triggert wie nen Veganer, dem man anstelle von Analogkäse echte Mozzarella auf die Pizza gelegt hat.

Ich bin in der Regel daran interessiert, dir auch jenseits der Richtlinien entgegenzukommen, solange du halbwegs höflich bist und mir auf Augenhöhe begegnest. Jetzt aber nicht mehr. Für jemanden ohne minimalsten Anstand, habe ich nicht die Lust, mit meinen Vorgesetzten zu diskutieren und irgendwelche Ausnahmen zu vereinbaren. Denn irgendwann kommt jemand nettes und der kriegt dann nix, weil ich schon zu oft wegen Arschgeigen wie dir um Ausnahmen gebeten habe.

Aussage #2: "Ich bin noch vom alten Schlag, ich hab kein Internet oder so!"

Alter. Du hattest locker 30 Jahre lang Zeit, dich auf das neue Phänomen "Computer" und "Internet" vorzubereiten. Dass nur die Anpassungsfähigsten überleben, kommt nicht von ungefähr. Man muss schon Politiker sein um das Internet als Neuland zu betiteln. Sogar mein Vater, der alles kann außer Computer (kein Scheiß), bekommt es hin, eine E-Mail zu lesen und zu beantworten oder ein Onlineformular auszufüllen. Dann kannst du das sicher auch. Es ist kein Hexenwerk! Denn dann würdest du es ja beherrschen 🙈

Aussage #3: "Sie dürfen gar nicht X, Y und Z!"

Oh doch, das darf ich. Sonst wäre es sicher nicht passiert. Denn was ich darf und nicht, weiß ich in der Regel besser als du. Natürlich kann man sich mal irren, aber dafür gibt es den Korrekturstift - und ich bin der Letzte, der sich weigert, einen Fehler zu beheben. Aber schreib ruhig weiter Briefe, obwohl ich die gesetzliche Lage detailreich erklärt habe. Je mehr Post kommt, desto sicherer ist mein Arbeitsplatz. Also weiter so!

Aussage #4: "Ich möchte mit Ihrem Vorgesetzten sprechen!"

Natürlich. Aber was soll das ändern? In wessen Auftrag handle ich denn? Hä? Genau. Der wird dir genau dasselbe sagen wie ich. Und wenn nicht, dann will er dich nur abwimmeln. Und wenn du endlich den Laden verlassen hast, klopft er mir auf die Schulter und sagt sowas wie: "Die kenn ich schon. Der kann man's nicht recht machen - scheiß drauf!"

Es gibt noch etliche weitere Aussagen...

...aber das würde hier den Rahmen sprengen. Wer meinen Blog öfter liest, weiß, dass sich alles auf die Zeit eines Stuhlgangs begrenzen soll. Deine Beschwerden übrigens auch, denn da sind noch andere Kunden in der Warteschlange, deren Mägen knurren, als wären ihnen Felle und Zähne gewachsen.

Zum Abschluss:

Liebe Karen, ich weiß, dass du wirklich davon überzeugt bist, dass die Menschen dich respektieren und fürchten. Aber das ist Blödsinn. Du gehst uns nur gewaltig auf die Eier. Ja, man muss höflich sein, denn man ist professionell. Aber nur bis Feierabend. Danach hast du denselben Status wie ein unverheirateter schwuler Alkoholiker in Katar.

Aber das muss nicht so sein! Wir können Freunde sein, Karen, und das meine ich ernst! Sei einfach etwas geduldiger oder wenigstens etwas freundlicher, wenn du das nächste mal vorbeikommst oder anrufst. Und geh nicht mit der Selbstverständlichkeit eines Königs durch die Welt, denn du bist ein ganz normaler Mensch, so wie wir auch. Ja, es heißt, dass der Kunde der König ist - aber auch ein König weiß, wie man sich zu benehmen hat, wenn man zu Gast ist. Und er kennt das allgemeingültige Zauberwort: "Bitte", ohne vorher wie Obelix den Zauberkessel leergesoffen zu haben.

Schreib mir gern einen Kommentar, falls du Karen bist. Und falls nicht, dann trotzdem 🙃

  • About the Author: Der Ciro ist begeisterter Kundenfreund, -helfer und -tadler.

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