Die Wissenschaft: Sie hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Dank den Wissenssuchenden, leben wir nicht mehr in Höhlen sondern in vollbeheizten Häusern mit Licht drinnen während es draußen dunkel ist. Dank ihnen reiten wir nicht mehr auf Pferden zur jagt sondern fahren auf unseren komfortablen Drahteseln und in motorisierten Kutschen in den Supermarkt und bekommen heute Abend auf jeden Fall etwas zu essen und nicht das, was wir vielleicht (nicht) fangen können. Dank der Wissenschaft, haben wir Antibiotika, Rheumadecken und Pflaster, die entweder nicht abgehen oder nicht halten.
Ja, die Wissenschaft hat uns das Leben in vielen Punkten vereinfacht. Zum Beispiel mir - ich sitze hier bequem in meinem warmgefurzten Sessel und kann dank der Erfindung namens Personal Computer meinen geistigen Dünnpfiff einfach in die Tastatur einhacken und nachträglich korrigieren, sodass ihr nie erfahren werdet, welche Rechtschreibfehler ich im Zuge der Beitragsverfassung gemacht habe. Denn: Ich brauche keinen Tipp-Ex mehr sondern kann einfach den Text löschen.
Daher sind wir uns alle sicher einig, dass die Wissenschaft großes geschaffen hat und uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind: Alles andere als Höhlenmenschen, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, Essen zu beschaffen und Raubtiere zu verjagen. Allerdings kann es hier und da mal zu kleinen Fehlern kommen, die große Folgen haben. Hier ein paar meiner Lieblingsbeispiele, aus der Alt- sowie Neuzeit.
Hysterie
Was Hysterie ist, muss ich wohl keinem erklären. Woher der Begriff allerdings kommt und was man anfangs angenommen hat, ist relativ komisch. Also natürlich für uns heutzutage, weil wir diesen Quatsch nicht mehr glauben.
Die antiken Griechen (irgendwann im 2. Jahrtausend vor Christus) gingen davon aus, dass die Gebärmutter regelmäßig mit Sperma "gefüttert" werden muss, damit sie zufrieden ist. Andernfalls fange sie an, im Körper der Frau herumzuwandern und sich schließlich im Hirn festzubeißen. Dadurch werde auch Druck auf andere Organe ausgeübt und so weiter und so fort. Kurz: Wenn du den Acker deiner Frau nicht regelmäßig mit deiner Saat segnest, fängt sie an, sich wie eine Furie zu verhalten.
Und das, meine Damen und Herren, wurde erstmals im Jahr 1682 in Frage gestellt. Der Begriff "Hysterie" wurde übrigens erst in den 1980ern aus der medizinischen Terminologie gestrichen. Also war die Menschheit über 3.000 Jahre davon überzeugt, dass Hysterie ein echtes Krankheitsbild ist. Lasst das mal sacken 🤡
Heroin
Bereits im alten Ägypten hat man sich gerne mit Opiaten die Birne weggeballert. Etwas später, im 19 Jahrhundert, hat man schließlich versucht, ein synthetisches Äquivalent zum Opium zu finden, um es als Heilmittel zu bewerben und nen Reibach damit zu machen. Im Jahr 1898 ließ Bayer den Begriff "Heroin" schützen und das Produkt anschließend in zwölf Sprachen vermarkten. Da hatte jemand großes vor! Schließlich sollte es, im Gegensatz zu Morphin, kaum Nebenwirkungen haben. Es hat ganze sechs Jahre gedauert, bis den Leuten aufgefallen ist, dass Heroin noch schneller abhängig macht als Morphin - und dass es auch noch einen etwas unschönen Gewöhnungseffekt gibt. Deshalb wurde es bestimmt sofort verboten. Oder? ODER?
Haha, natürlich nicht. In Deutschland war es weiterhin erhältlich. OK, ab 1917 durfte man es nur noch per Rezept kaufen und 1940 hat Bayer die Produktion offiziell eingestellt. Aber verboten wurde es im Erfinderland erst im Jahre 1971. Also 67 Jahre, nachdem man herausgefunden hat, dass das Scheißzeug ein Scheißzeug ist. Respekt, das ging ja schneller als bei der Hysterie. Yay! 🥳
Asbest
Kennt ihr noch die Faser, die nicht brennt und gut isoliert? Anfang des 19. Jahrhunderts wurde mit Hilfe von Asbest feuerfeste Kleidung für Feuerwehrleute hergestellt. Später wurden es für feuerfeste Dächer und als Wärmedämmung verwendet. Ein echtes Mehrzweckstöffchen!
Obwohl schon seit 1900 bekannt ist, dass Asbest krankheitserregend sein kann, wurde es erst seit 1970 - ganze 27 Jahre nachdem Lungenkrebs im Zusammenhang mit Asbest als Berufskrankheit anerkannt wurde - offiziell als Krebserregend eingestuft. 1979 wurde es schließlich in der BRD verboten. Es hat nur ungefähr zwanzig Jahre länger gedauert, bis man die asbestverseuchte Schule in meinem Heimatort evakuiert und abgerissen hat. Das muss man sich mal geben.
Gefahren: Hoch. Nutzen: Auch. Und deshalb ist es weltweit noch im Einsatz.
Was haben wir gelernt?
Die Wissenschaft bringt uns als Gesellschaft voran und versucht, mehr oder weniger eigennützig, das Leben zu erklären, zu vereinfachen und zu erhalten. Selbstverständlich gilt das auch für die dunkle Seite der Wissenschaft, die uns vom Speer zur Muskete, über die Maschinenpistole bis zur Atombombe und noch darüber hinaus bringen wird.
Doch nur weil uns eine neue Theorie oder Vorgehensweise im Moment Erklärungen oder eine vermeintliche Lösung liefert, heißt es noch lange nicht, dass wir uns nicht auch irren können. Im Gegenteil - man sollte kritische Stimmen immer ernst nehmen und prüfen, ob nicht vielleicht doch Verbesserungsbedarf besteht.
Die Wissenschaft versucht uns zu helfen und Dinge zu erklären, jedoch liegt sie halt, egal wie gut es gemeint ist, auch mal falsch. Und wie wir nun gelernt haben, kann es auch mal ein paar Jährchen dauern, bis sich etwas als Quatsch herausstellt. Und in diesen Jährchen, kann sehr viel Schaden entstehen. Daher bedeutet Wissenschaft nicht nur eine Theorie zu erarbeiten sondern auch, diese hinterfragen zu dürfen und auch müssen.
Falls dir das alles noch nicht reicht, hier sind ein paar andere lustige Fälle wissenschaftlichen Humbugs:
Aderlass als Standardtherapie
Man glaubte ernsthaft, fast jede Krankheit lasse sich durch bluten heilen. Dann wären Frauen vor ihren Wechseljahren ja unsterblich!
Rauchen ist gesund
Es gab Werbungen mit Ärzten und sogar Empfehlungen in Medien.
Lobotomie als Fortschritt
Eine der dunkelsten „modernen“ Behandlungen der Medizin. Was kann schon schiefgehen, wenn jemand dein Hirn durch deine Augenhöhe mit einem Meißel penetriert?
Also wenn dir das nächste Mal jemand sagt, dass irgendein Wissenschaftler oder Experte X, Y oder Z gesagt hat und dir das irgendwie unlogisch vorkommt, erinnere ihn daran, dass sämtliche wissenschaftliche Behauptungen immer nur so lange wahr sind, bis sie widerlegt wurden und dass es die Pflicht eines jeden Einzelnen ist, seine Bedenken zu äußern, um die Menschheit vor Schaden zu bewahren.
Merke: Wenn sich niemand jemals getraut hätte, sich kritisch gegenüber Contergan zu äußern, würde es den Fötusverkrüppler immer noch in der Apotheke geben.


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