Nicht nur mir sollte aufgefallen sein, dass die Welt immer digitaler wird. Von Armbanduhren, die deine Körperfunktionen überwachen über moderne Messeinrichtungen für den alltäglichen Energieverbrauch bis hin zu diversen Zahlungsmitteln - vieles ist heutzutage digital. Das bringt einen Haufen Vorteile mit sich. Besonders, wenn es um Gaming geht.
Heutzutage muss man nicht mehr tagelang auf die Post warten oder bei Wind und Wetter zum Händler des Vertrauens gurken, um sich ein Spiel zu kaufen. Man gibt in seiner Konsole kurz eine Zahlungsmethode an und lädt sich das Spiel einfach runter. Eigentlich eine sehr geile Funktion. Gäb es da aber nicht dieses GROSSE ABER. Denn man kauft kein Spiel sondern nur eine Lizenz. Im Großen und Ganzen ist das ja kein Problem könnte man meinen...aber das Thema geht leider etwas Tiefer.
Wir haben es ja verstanden. Videospiele sind ein Produkt, mit dem jemand Geld verdienen möchte. Ist auch vollkommen legitim. Ich zahle gerne für ein Produkt, das mir Unterhaltung bringt - solange das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.
Doch hirnverbrannten Geizkragenvereinen ist das egal. Zur Erinnerung: Ubisoft war die erste Firma die laut aussprach, was sich viele wahrscheinlich nur getraut haben zu denken; dass die Leute sich an den Gedanken gewöhnen sollen, Videospiele nicht mehr zu besitzen. Bei dem Satz bricht der Verschwörungstheoretiker aus mir heraus, da solch eine klausschwabige Aussage meine Alarmglocken triggert.
### Achtung: Wer das Trara um Stop Killing Games noch nicht verfolgt hat, sollte sich unbedingt damit beschäftigen. Denn ich werde in diesem Artikel nicht so weit ausholen ###
Was soll das heißen, ich BESITZE das Spiel nicht? Was habe ich dann gekauft?
Wir kaufen einen Produktschlüssel. Mehr nicht. Bereits verwendete Keys kann man nicht verkaufen. Verleihen auch nicht. Okay, damit kann ich eigentlich leben. Wenn ich weiß, dass mir das Spiel gehört, bis ich sterbe, kann ich das Risiko eingehen. Allerdings mache ich das niemals bei einem Spiel, das 80 Öcken kostet.
Digital kaufe ich generell nur stark reduzierte Games. Zum Beispiel habe ich für die Super-Duper-Edtions von Hogwards Legacy und The Sinking City insgesamt nur 20 Euro bezahlt. Zusammen. Dabei handelte es sich sogar um die PS5-Versionen. Bei so einem Preis ist es quasi wurscht, ob ich die Spiele vererben, verleihen oder verkaufen kann - oder halt nicht.
ABER MIR GEHÖRT DAS SPIEL LAUT SONY NICHT.
Richtig. Ausgerechnet SONY, der Erfinder der modernen Discs und einstiger Verfechter der physischen Games, hat das nun für uns konkretisiert. Wir kaufen kein Spiel sondern erwerben eine möglicherweise nur temporäre Lizenz. Deswegen tauchen auch ständig Memes wie dieses hier auf:
Sony ist blöderweise nicht nur auf den Zug aufgesprungen sondern hat vor, die digitale Enteignung Knallhart durchzuziehen. Denn ab 2028 sollen keine Spiele mehr für PlayStation auf Disc erscheinen. Keine. Das bedeutet, dass du dazu gezwungen sein wirst, die Spiele digital zu kaufen. Aber nicht wie bei Steam, wo es zig Anbieter für Spiele gibt und man massig Geld sparen kann. Nein. Exklusiv im PlayStation Store. Das bedeutet, dass Sony dadurch einen Arsch voll Kohle sparen wird, da keine Discs mehr rausgebracht werden müssen. Außerdem gibt es keine Retailer mehr, die auch etwas am Stück Kuchen verdienen wollen. Und das Wichtigste: Der Gebrauchtmarkt stirbt. Nur noch alte Games. Keine neuen mehr. Neue darfst du dir dann für immer nur noch zum Vollpreis herunterladen.
Der Service wird nicht besser. Bei Steam kann man Spiele, die einem nicht gefallen, einfach wieder zurückgeben. Aber bei Sony sieht das anders aus. Sobald man das Spiel mal gespielt hat, gibt es keine Erstattung mehr - und eine Änderung diesbezüglich wurde nicht angekündigt. Und wenn man sich über drei Jahre nicht einloggt, kann laut AGB dein Account samt Spielebibliothek gelöscht werden. Für immer. Geld und Trophäen sind dann futsch. Arschgeigen.
Wir haben also bald eine Konsole, deren Spiele man ausschließlich im Sony-Store kaufen kann. Sprach ich von kaufen? Ups, mein Fehler. Denn das geht ja laut Sony sowieso nicht. Die Anwälte argumentierten vor Gericht nämlich ungefähr so: "Wenn man digitale Spiele wirklich besitzen würde, dann könnte jedes Spiel nur ein einziges Mal gekauft werden."
Soso. Wenn man digitale Spiele nicht besitzen kann, kann man sie eigentlich auch nicht stehlen, oder? SIND DIE BEKLOPPT? Die haben Raubkopierern die perfekte Ausrede geliefert, sich Spiele einfach illegal zu besorgen. Wenn sie gefasst werden, können Sie ja mit dem Meme-Argument kommen, dass man das Spiel ja eh nicht kaufen kann, also kann man es auch nicht klauen. Dieses Anwaltsbüro würde ich umgehend feuern.
Es kommt noch schlimmer!
Hideo Kojima sollte jedem ein Begriff sein. Er hat uns das erste richtige Stealthgame, Metal Gear, geschenkt. Die moderneren Nachfolger, die unter dem Leittitel Metal Gear Solid erschienen sind, haben sich millionenfach verkauft. Wegen Spielen wie Metal Gear Solid, kaufen Menschen sich Konsolen. Ich für meinen Teil habe mir extra eine PlayStation Portable gekauft und wenn ich sie noch nicht gehabt hätte, eine PlayStation 3. Und damit war ich nicht alleine.
Nach langem Trara und Konamis Umstellung aufs Mobile Gaming, wurde es still um Metal Gear. Kojima hat dann schließlich Death Stranding herausgebracht, das in Zusammenarbeit mit Sony entstanden ist. Eine Art Corona-DHL-Simulator, nur mit vielen Gefahren und unglaublich genialer Geschichte. So wie Teil 2. Beide Teile haben sich mehrere Millionen Male verkauft.
Eigenen Angaben zufolge, lag Kojima eines Tages im Krankenhaus und ihm wurde bewusst, dass das Leben endlich ist. Hierbei bekam er die Eingebung, nicht mehr einfach seinen Visionen zu folgen sondern seinen Fans das zu geben, was sie wollen. Ein "neues" Metal Gear. Dieses soll PHYSINT heißen, was für Physical Intelligence gilt. Und das, wieder einmal, in Zusammenarbeit mit Sony. Seit Metal Gear Solid 1, das noch auf der PlayStation 1 erschien, arbeiteten Sony und Kojima zusammen. Und nun soll der geistige Nachfolger erscheinen: Ein Spiel das wie Metal Gear ist aber nicht Metal Gear ist.
Das war zumindest die Info bis vor kurzem. Denn Sony hat den Schwanz eingezogen, da Kojima, wie bei allen anderen Projekten zuvor auch, viel zu viel Zeit und Geld braucht, um sie umzusetzen. Dass dabei richtige Meisterwerke herauskommen, scheint egal zu sein - denn Sony möchte, nach den Verlusten in 9-Stelliger Höhe durch Concord, keine Risiken mehr eingehen.
Risiken. Mit Spielen von Kojima. HAHAHAHAHAHA.
Gleichzeitig kündigt Sony die Arbeit an einem weiteren Live-Service-Game wie Concord an. Erinnert mich ein bisschen daran, als Homer versucht hat, den Elektriker zu spielen 🤷🏻♂️
In meinen Augen geht es Sony nicht um finanzielle Absicherung, sondern um den Fakt, dass PHYSINT nicht für immer exklusiv sein soll. Ich gehe sogar einen Schritt weiter: Ich glaube, dass Kojima das Spiel auf Disc herausbringen will, da er kein Fan von digitalen Medien ist. Jedenfalls hat Kojima verzweifelt nach einem Ersatz gesucht, nachdem Sony ihn hat fallen lassen - denn er möchte nicht schon wieder einem talentierten Team eine Absage erteilen müssen, wie damals wegen Konami bei P.T. und Silent Hills.
Und dann kam Microsoft
Ich wage es mich kaum das zu schreiben, aber ja - Microsoft ist, zumindest aktuell, unsere Rettung. Sie tun zumindest so. Sony hat sich innerhalb kürzester Zeit so dermaßen in die Nesseln gesetzt, sodass Bill Gates' Hampelmänner die PlayStation CEOs einfach nur noch anpusten müssen, damit denen für Immer der Arsch brennt, als wären sie im Dark Room eines Schwulenclubs ohnmächtig geworden.
Microsoft ist, was Abwärtskompatibilität angeht, schon immer viel kundenfreundlicher als Sony gewesen. Die neue Konsole, Project Helix, soll wieder abwärtskompatibel sein. Das heißt, dass man auf ihr seine alten Spiele spielen kann. Anders als bei Sony - hier muss man entweder seine alten Konsolen aufheben oder sich das uralte Spiel digital kaufen - falls überhaupt verfügbar. Außerdem wird gerade an einem System gefeilt, laut dem man seine physischen Spiele digitalisieren kann.
Und das geht so: Du packst dein Mortal Kombat X in deinen X-Klotz, bekommst eine digitale Lizenz und hast es quasi digital aber trotzdem im Regal zum Antaschen und Schönfinden. Die Lizenz verfällt erst, wenn jemand anderes dein Spiel in seine Xbox steckt. Sprich: Du kaufst dir deine Spiele wie gewohnt physisch und hast sie im Regal stehen, hast allerdings eine digitale Version davon. Dadurch hast du ALLE Vorzüge beider Varianten. Spiel zum anfassen aber man muss nicht mehr aufstehen, um die Disc zu wechseln. Gleichzeitig gewöhnt man die Leute daran, dass die Spiele für Xbox irgendwann auch nur noch digital verfügbar sein werden.
Aber für wen entscheidet man sich dann da? Für Sony, das seine Entscheidung mit den Investoren abgesprochen hat und die Kunden vor vollendete Tatsachen setzt oder für Microsoft, das zumindest so tut, als würden sie einem entgegenkommen? NA?
Da war doch noch was...ach ja, Kojima-San! Nachdem Sony die garantierte Cash-Cow, die einem die Lizenz zum Gelddrucken verleiht, nicht mehr unterstützen möchte, hat Team Xbox zugeschlagen. PHYSINT kommt jetzt auf die Xbox - exklusiv. Sonys Vorstand ist seit der Ankündigung wahrscheinlich am Toben wie das Rumpelstilzchen, als man seinen Namen herausgefunden hat.
Microsoft, ich ziehe meinen Hut vor diesen Schachzügen. Wenn die Project Helix wirklich abwärtskompatibel sein wird und das mit dem digitalisieren der Discs funktioniert, sodass der Gebrauchtmarkt (zumindest vorerst) nicht stirbt, werdet ihr den Konsolenkrieg endgültig gewinnen. Mein XBL-Account wartet mit seinen über 40.000 Gamerscore-Punkten auf jeden Fall schon eine lange Zeit auf meine Rückkehr. Mal sehen, was die Zeit so bringt. Vielleicht verliert mich Sony mit der PS6 und ich switche wieder zur Xbox, vielleicht aber auch nicht.
Um TV Kaiser zu zitieren: "Wir werden es erleben!"


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